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Archive for August 2008

Sachsen will Millionen investieren, um Spitzenforscher im Land zu halten oder sogar von anderswo abzuwerben. Das klingt schonmal nicht schlecht. 20 Millionen Euro sollen für Personal und Laborausstattung pro Jahr zur Verfügung gestellt werden.

Ab 2009 könnten dann, wenn das Programm umgesetzt wird, diese Millionen zusätzlich zur Verfügung stehen. Zunächst auf vier, fünf Jahre angelegt wären das an die 100 Millionen Euro, die Sachsen in die Forschung investieren würde. (1)

Ob allerdings Michael Kretschmer, CDU-Generalsekretär in Sachsen, mit seiner Aussage

Wir holen uns bei Harvard und Oxford die besten Leute ab.

recht behält, bleibt abzuwarten. Ich bin da eher skeptisch. Was ist nach den „vier, fünf Jahren“, wenn das Geld aufgebraucht ist? Sollen diese Leute dann zum lausigen Professorengehalt in Sachsen forschen? Hier sind längerfristige Initiativen gefragt, es stellt sich ja schon die Frage, ob ein umfangreiches Forschungsprogramm selbst in „vier, fünf Jahren“ zum Erfolg geführt werden kann. Wenn keine Perspektiven bestehen, kommt kein Spitzenforscher der genannten Spitzenunis, die schon seit Jahren einen internationalen Ruf haben.

Zu den längerfristigen Initiativen in diesem Bereich gehört dann meiner Meinung nach eine generelle Verbessung der Bildungssituation. Investitionen in Schulgebäude, bessere Bezahlung der Lehrer und Verringerung der Klassenstärken sind notwendig, damit dann auch jemand in der Lage sein wird, den Vorlesungen der Spitzenforscher zu folgen.

Quelle: (1) Sächsische Zeitung, 14.08.08

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Geld ist eben alles im Leben

Zumindest nehme ich das an, wenn ich „Wer Kinder hat, zahlt in Deutschland drauf“ lese. Diese Meinung vertreten angeblich 75% der deutschen Eltern, in Ostdeutschland sogar 81%. Aber was ist unter draufzahlen zu verstehen? Schwierig zu sagen, denn nur 33% im Osten (47% insgesamt) seien der Meinung, Verzicht üben zu müssen. Das passt nicht zusammen. Wie wurden hier die Fragen gestellt?

Es wird immer so sein, daß Kinder Geld kosten, schließlich sollen sie möglichst gut versorgt werden. Wenn das dann unter „draufzahlen“ verstanden wird, frage ich mich, was die restlichen 25% der Eltern mit ihren Kindern machen. Alles in allem wohl eine eher schwache Umfrage.

Aber die Aussage bleibt, dass sich Eltern hierzulande benachteiligt fühlen. Finanziell benachteiligt fühlen, denn ein Großteil ist glücklich, Kinder zu haben. Aber der Staat müßte, so die Meinung, den Familien mit Kindern mehr Geld zur Verfügung stellen. Wahrscheilich, weil der Nachbar ohne Kinder den größeren Pool und das bessere Auto hat. Und hier ist der Kern des Problems: Die Wertevorstellungen wandeln sich, Geld wird als Universalmittel für ein glückliches Leben angesehen. Erfolg wird mit dem Beruf verknüpft und am Kontostand abgelesen.

„Es ist absurd“, sagte „Eltern“-Redakteurin Anke Willers bei der Vorstellung der Umfrage. Die milliardenschweren Leistungen des Staates kämen offensichtlich bei den Familien nicht an – „zumindest nicht im Bewusstsein“ (1)

Da legt Frau Willers den Finger in die Wunde. Wir brauchen in Deutschland keine weiteren Transfers an Familien mit Kindern nach dem Gießkannenprinzip. Kinder müssen in allen Lebensbereichen „nur“ wieder als das angesehen werden, was sie sind: Unser aller Zukunft!

Quelle: (1) Sächsische Zeitung vom 12.08.08, Mehrheit der Eltern verlangt mehr Hilfe vom Staat

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Journalisten und Physik

Gestern ging es mir nur um die Darstellung von Fakten, die in meinen Augen unglücklich war. Heute sind es die Fakten selbst, die nicht mehr richtig dargestellt werden. Es ist wahrscheinlich Krümelkackerei, aber darf ich von einer Zeitung nicht ein Mindestmaß an Exaktheit erwarten? Diesmal geht es mir um Physik, Stoff aus Klasse 7. Im Artikel der Sächsischen Zeitung „Jede einzelne Google-Anfrage frisst Energie“ geht es um den Energieverbrauch der Informationstechnologie.

Allein eine Anfrage bei der Suchmaschine Google kostet vier Watt Strom pro Stunde

Das heißt also, jede Stunde surfen bei Google vergrößert sich die Leistungsaufnahme der Server permanent um 4 Watt? Natürlich nicht. Es ist die Energie von 4 Wattstunden oder 0,004 kWh gemeint, wenn man eine Stunde bei Google unterwegs ist.

Richtig Klasse ist dann auch noch der völlig nichtssagende Vergleich:

Und wer im Netz gleich ganze virtuelle Identitäten annimmt, wird vollends zum Klimasünder. „Ein Jahr lang eine Identität in der Parallelwelt Second Life zu pflegen, entspricht dem durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch eines Brasilianers.“

Die Daten, die ich dazu gefunden habe:

Das ergibt einen durchschnittlichen Stromverbrauch von 2212 kWh pro Jahr und Einwohner in Brasilien. Alles was Recht ist, aber soviel Energie braucht Second Life bestimmt nicht. Schade um das Papier, auf dem dieser Artikel gedruckt wurde, ganz zu schweigen von der Energie, die benötigt wird, ihn online zu lesen.

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Polen klauen Autos

oder wie soll ich die Titelzeile „Autodiebstahl an der Grenze drastisch gestiegen“ auf der ersten Seite der Sächsischen Zeitung von heute interpretieren? Um es vorwegzunehmen, jeder Diebstahl ist einer zuviel, aber die Aufmachung stört mich schon. Dabei wird sogar eingeräumt, dass die Zahl der Straftaten in den „Grenzkreisen“ im ersten Halbjahr 2008 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 15% oder 5000 absolut gesunken ist!

Was nicht sein kann, das nicht sein darf. Die Zahlenspielerei dazu im Artikel ist so schön durcheinander, das kann man nur zitieren:

Die Zahl der Autodiebstähle und -versuche stieg gegenüber dem Vergleichszeitraum um 79Prozent. Schwerpunkt war die Grenze zu Polen; hier verdreifachte sich die Zahl der entwendeten Fahrzeuge

Einmal werden die Versuche mitgezählt, wahrscheinlich, damit es nach viel aussieht. Auch die Verdreifachung der Zahl der Autodiebstähle an der polnischen Grenze liest sich richtig Klasse. Da ist das Weltbild der Deutschen ja wieder in Ordnung. Dummerweise wurde auch die absolute Zahl der Autodiebstähle an der polnischen Grenze genannt: 99 !

Insgesamt, also an polnischer und tschechischer Grenze, wurden ca. 140 Autos mehr geklaut. Wenn sich die Diebe auf das Vorjahresmaß beschränkt hätten, wäre also ein Rückgang der Straftaten um 5140 oder 15,4% zu verzeichnen gewesen. Ein gigantischer Anteil der Kriminalität ist also Autodiebstahl. Schön auch, daß das extra von Sebastian Beutler für seinen Kommentar „recherchiert“ wurde:

Die Kriminalität in der sächsischen Grenzregion ist im ersten Halbjahr zurückgegangen. Das war die gute Botschaft von Innenminister Buttolo. Sie sollte überdecken, dass der Autodiebstahl deutlich zugenommen hat. Deswegen hielt das Ministerium die Diebstahlszahlen zurück, damit die Bilanz nicht getrübt wird. Dieses Kalkül ist nicht aufgegangen.

Nochmals danke. Es ist leider so, dass die Kriminalität in der Nähe der Grenze höher ist. Die Differenz entspricht in etwa den durch „nichtdeutsche Täter“ (Kriminalitätsstatistik des Landes Sachsen von 2007) begangenen Straftaten. Aber es ist mittlerweile eine deutliche Besserung festzustellen ( -15% insgesamt). Dies ist und bleibt die wichtige Aussage und die sollte nicht durch das Stammtischthema „Autoklau“ verzerrt werden.

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Nun wollen Bayern und einige andere Länder die Mauterhöhung im Bundesrat verschieben, wahrscheinlich am liebsten ganz aufheben. Die Begründung, die bei ntv.de angeführt wird, ist Schwachheit kaum zu überbieten:

Eine Verschiebung sei unabdingbar, um den Speditionen mehr Zeit zu geben, mit ihren Auftraggebern höhere Preise auszuhandeln.

Seit wann ist bekannt, dass die Mauterhöhung kommen soll? Ich würde sagen, es war ausreichend Zeit für Preisverhandlungen. Eine ähnliche Konstellation gab es schon beim Thema CO2-Ausstoß der Autoflotten. Hier hatten die deutschen Autohersteller geschlafen und am Ende ist sogar ein Kompromiß auf europäischer Ebene herausgekommen. Wahrscheinlich war es nicht der letzte.

Eine Aussage der bayerischen Wirtschaftsministerin zu diesem Thema bringt mich so richtig auf die Palme:

„Selbstverständlich hat der Umweltschutz auch für uns hohe Priorität. Wir haben aber erhebliche Zweifel, dass die Pläne Tiefensees zur Mauterhöhung hier weiter helfen.“

Mit Apellen an die Vernunft ist in einer Marktwirtschaft kein Blumentopf zu gewinnen. Das ist mir schon klar. Aber dann muss ich eben die Vernunft benutzen, um den Markt so zu steuern, dass die gewünschten Ergebnisse erzielt werden. Wenn man also der Meinung ist (ich bin es), dass der LKW-Verkehr, wie wir ihn derzeit erleben, eine Sackgasse in der menschlichen Evolution darstellt, dann muss man ihn, im Vergleich mit anderen Transportmöglichkeiten, verteuern. Schade, dass Politiker so verdammt kurzsichtig sind.

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Frank Bsirske wird heute in der Sächsischen Zeitung mit den Worten zitiert:

Ich habe die Brisanz, die dieser Flug in der öffentlichen Wahrnehmung ausgelöst hat, unterschätzt. Das war falsch.

Man kann Brisanz also auslösen. Aber das ist gar nicht das Thema. Er wollte wohl sagen: „Ich hätte nicht geahnt, dass die öffentliche Meinung sich gegen mich richtet, nur weil ich von Arbeitgebern als Aufsichtsratsmitglied Vergünstigungen bekomme.“ Außerdem ist bedenklich, dass er offensichtlich seine Einschätzung und nicht den Flug an sich als „Corpus Delicti“ ansieht. Und das zeigt 2 Probleme.

  1. Wie kann es sein, dass jemand, der eine Aufsichtsfunktion hat, von dem, der beaufsichtigt werden soll, Vergünstigungen gleich welcher Art auch immer erhält? Wenn ich mit nem Hunni zum TÜV-Prüfer ginge, gäbe es kein Geschrei, aber ich würde vor den nächsten Richter gezerrt.
  2. Die Aufsichtsräte scheinen sich dieses Interessenkonfliktes gar nicht bewußt zu sein.

Zum ersten Punkt fällt mir noch die damalige Parteispendenaffäre ein. Meiner Meinung nach sollen sich Parteien aus ihren Mitgleidsbeiträgen finanzieren. Eine „Spende“ ist immer anrüchig, ob ich die Quelle nun offenlege oder nicht.

Edit: Gerade gefunden: Auch Birni beschäftigt sich in seinem Blog mit diesem Thema.

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3000 neue Jobs in Dresdens Kaufhäusern“ tönt die Sächsische Zeitung auf ihrer heutigen Titelseite. Die Fakten sind die folgenden. Im Dresdner Zentrum wird eine bestehende Einkaufspassage um 18000 Quadratmeter erweitert, eine neue gebaut mit 52000 Quadratmetern und eine dritte befindet sich in Planung. Insgesamt soll die Verkaufsfläche in der Innenstadt von 151000 auf 243000 Quadratmeter wachsen.

Ich frage mich aber, wo der plötzliche Kaufkraftzuwachs herkommen soll, wo doch alle Welt über gestiegene Energiepreise redet. Die Investitionen in Verkaufsfläche werden in meinen Augen viel zu sehr hochgejubelt. Es wird keinerlei Mehrwert produziert, und die „neuen Jobs“ fallen an anderer Stelle weg. Auch über die Qualität wird einiges gesagt:

Allerdings handelt es sich oft um Teilzeitjobs, schränkt Lucas ein. Zudem müssten Läden an anderer Stelle aufgeben.

Bettina Klemm sieht das Ganze in Ihrem Kommentar allerdings uneingeschränkt positiv. Schade, von einem Kommentar hätte ich mehr Weitblick erwartet. Aber schon der Satz:

Noch immer kleiden sich viele Dresdner in Berlin, Leipzig oder München ein.

sagt einiges aus. Ich bin wirklich neugierig, wieviele der Dresdner das tatsächlich tun. Vielleicht die, die in Berlin, Leipzig oder München arbeiten, aber die kaufen hier sowieso nicht ein.

Noch witziger die Aussage:

Nach dem Bau der geplanten Einkaufszentren wird sich etwa ein Viertel der gesamten Verkaufsfläche auf die Innenstadt konzentrieren. Bisher sind es mit 18 Prozent zu wenig für eine Großstadt und ihr Umfeld.

Warum braucht das Umfeld einer Stadt einen hohen Anteil von Läden im Stadtzentrum? Wäre dem Umland nicht mit dem Erhalt von Läden in den Kreisstädten mehr geholfen? Aber die geben dann vielleicht auf, weil die Kunden doch nach Dresden shoppen fahren, wenn das Benzin grad mal billig ist. Und später fahren die Kunden auch, wenn das Benzin teuer ist, weil es den entsprechenden Laden im Umland nicht mehr gibt. Den alten Arbeitsplatz der Verkäuferin übrigens auch nicht mehr. Durch die Neubauten gibt es selbst im Stadtzentrum nicht nur Licht:

Peek&Cloppenburg und Karstadt-Sport beispielsweise ziehen 2010 in die Neubauten um. Auch für deren bisherige Läden sind neue Mieter gefragt.

Hat man schon welche oder stehen die z.T. recht jungen Gebäude an der Prager Straße dann leer? Ich bin wirklich gespannt, wie lange sich die Vielzahl der konkurrierenden Läden auf engstem Raum wird halten können. Ich behaupte, die Anzahl der Beschäftigten im Einzelhandel wird allenfalls gleichbleiben. Und ich mache ein Kreuz im Kalender, wenn aus den Jobs endlich wieder Arbeitsplätze geworden sind.

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