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Archive for September 2008

Der ominöse Markt als Götterwelt? Manchmal kommt es mir so vor. Gottheiten von heute sind Aktienindizes, Wirtschaftswachstum, Liquididät und Umlaufrendite. Die Priester sind die Aktienhändler, Notenbankchefs, Marktexperten und wohl auch Politiker. Gläubige sind viele, Gläubiger sind wir alle. Den Unterschied zum antiken Pantheon muss ich noch suchen.

Bei ard.de kommen die Priester auch gleich zu Wort, es geht um das Short-Selling Verbot.

Mehrere Börsianer kritisierten die Auflagen der BaFin. „Diese Entscheidung zeugt von der Hilflosigkeit der Finanzbehörden gegenüber der Misere“, meinte ein Händler. „Es hat noch nie geholfen, freie Märkte zu reglementieren.“

Da blitzt doch schon etwas göttliches auf. Die Menschen, hier die Finanzbehörden, sind ohnmächtig. Und reglementieren sollte man eine Gottheit natürlich schon gar nicht, die Strafe würde furchtbar sein. Aber die 700 Milliarden $ der US-Regierung nehmen diese Börsianer sicher auch mit Kußhand. Opfer müssen schon dargebracht werden.

Ein anderer Händler fand die Reaktion der BaFin ebenfalls „überzogen“. „In Deutschland wurde doch keine Attacke auf einen Wert gefahren.“ Das Übel in den Leerverkäufen zu sehen, sei ein […] falscher Weg […]. Denn Short-Selling hätte eine wichtige Funktion im Markt. Es diene der höheren Liquidität und der fairen Preisfindung.

Wie schön, dass es „den Werten“ noch gut geht. Wenn ich das Prinzip von Short-Selling richtig verstanden habe, erschließt sich mir die höhere Liquidität nicht. Diese wäre doch dann nur „auf Pump“. Und Achtung, in Australien finden sich nur unfaire Aktienpreise, denn dort ist Short-Selling verboten.

Für Marktteilnehmer Roth wäre eine Welt ohne Short-Selling undenkbar. „Um einen fairen Preis machen zu können, gehört das „Shorten“ dazu“, erklärte er. Sonst gäbe es dieselben Übertreibungen nach oben. „Wenn es Käufer gibt, muss es auch Verkäufer geben.“

Muss man den letzten Satz noch kommentieren? Klingt phantastisch, Herr Roth muss Recht haben. Ich will etwas von Dir kaufen, also verkaufe gefälligst? Oder wie soll ich ihn sonst verstehen? Ich zumindest kann Herrn Roth nicht folgen, auch der Short-Seller muss die verkauften Aktien tatsächlich besorgen. Und wenn die Nachfrage zu groß war, dann steigt auch durch das Shorten der Preis…

Ich bin ja geneigt, einem Artikel von sueddeutsche.de Recht zu geben. Da wird die Ursache des Dilemmas im allgemeinen Leben auf Pump ausgemacht. Short Selling halte ich, zumindest in der Form mit „geborgten“ Aktien für unkritisch, da sogar ich diesen Mechanismus verstehe. Man muss nur akzeptieren, dass daran eine Bank pleite gehen kann. Aber das wäre ja ein Eingriff in das göttliche Wirken, also opfern wir fleißig weiter.

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Da heute nicht der 1. April ist, gehe ich davon aus, das eine heutige Randnotiz in der Sächsischen Zeitung der Wahrheit entspricht. Stadtrat Johannes Lichdi macht darauf aufmerksam, dass die Stadt Meldedaten von Bürgern verkauft, und dafür sogar im Haushalt einen Einnahmenposten vorgesehen hat:

Im diesjährigen Haushalt 2008 seien dafür Einnahmen von 375000 Euro eingeplant, so Lichdi. 2009 und 2010 ist jeweils eine Summe von 420000 Euro eingeplant.

Also auch hier ein sattes geplantes Wachstum von 12%, aber das ist eine andere Geschichte. Wahrscheinlich wird die Möglichkeit, Daten bei der Stadt offiziell zu kaufen, aktiv beworben, um die Einnahmen zu steigern.

Was wird alles und an wen verramscht?

[…] Namen, Adressen und Altersangaben von Personen zum Beispiel an Firmen für Werbezwecke, an Parteien für Wahlwerbung, an öffentlich-rechtliche Religionsgemeinschaften, an Adressbuchverlage, aber auch an private Antragsteller.

Damit die in der „öffentlichen“ Politik verpöhnte Zielgruppenwerbung auch effektiv durchgeführt werden kann. Und ich frage mich ernsthaft, ob ich bei meiner Anmeldung hier in Dresden die Möglichkeit bestand, dem Datenhandel zu widersprechen. Ich habe das Formular sicher noch irgendwo…

„Wir fordern die Dresdner auf, ihre Rechte zu wahren und gegen den Datenhandel Widerspruch einzulegen“, so Lichdi.

Da hat die Stadt mal wieder die Entwicklung verschlafen. Herr Schäuble will ja demnächst, dass der „Hehler“ eine explizite Zustimmung braucht, um die Daten weiterzugeben. Ich sehe jetzt schon ein Loch von 420000 Euro im Stadtsäckel klaffen…

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Da in den letzten Tagen eine Zahl von 15,7% (Krankenkassenbeitrag für Pflichtversicherte) in den Medienauftauchte, habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht. Mir geht es dabei nicht um die 15,7%, sondern um die Frage, warum da so ein Aufwand betrieben werden soll. Setzen sich Lobbies auf dem Rücken der Beitragszahler durch?

Die Grundannahme meiner Fragestellungen ist, dass eine bestimmte medizinische Leistung immer das gleiche kostet (Quelle: Wikipedia, 20.09.08).

Stattdessen wird die Vergütung umgestellt auf Pauschalen je Leistung, je behandelte Krankheit oder je Patient, die in einer bundeseinheitlichen Euro-Gebührenordnung festgelegt werden.

Auf dieser Grundlage kann eine gesunde Konkurrenz von Krankenkassen kaum funktionieren. Es sei denn, verschiedene Kassen versichern verschiedene Leistungen. Aber wer legt fest, auf welche Leistungen jeder mindestens Anspruch hat?

Meiner Meinung nach ist die Krankenversicherung eine Versicherung wie die Arbeitslosenversicherung. Jeder hat ein anderes Risiko, Leistungen in Anspruch nehmen zu müssen, aber im Sinne des Zusammenhalts der Gesellschaft sollte jeder den „gleichen Wert“ haben. Damit stellt sich mir die Frage: Was wäre schlechter, wenn es eine zentrale, staatliche Kasse gäbe?

Aus meiner Sicht würden dadurch massiv Kosten gespart, weil der ganze Überbau zur Geldumverteilung entfallen würde. Und eine letzte, provokante Frage zum Schluss, die nur noch Teilweise zum Thema gehört: Aus welchem Grund wurde die Beitragsbemessungsgrenze erfunden?

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In den letzten Tagen, Wochen und Monaten gab es viele Meldungen, die sich auf die Börsenkurse an der Wallstreet bezogen. Der DAX ist auf ein Jahrestief gefallen und alle haben Angst. Warum ist das so? Für Hinweise zu diesem Thema wäre ich wirklich dankbar.

Das schlimme ist, dass die Kurse quasi das Leben bestimmen. Es gibt keinen Fernsehsender, der nicht vom Frankfurter Börsenparkett berichtet. Würde das Leben nicht genauso weiterlaufen, ohne diese Nachrichten? Nur eben sorgenfreier.

Aber da die puren Kurse mittlerweile auch das Handeln von Notenbanken und Politikern beeinflussen, müssen sie wichtig sein! Also immer schön die Gelder von Steuerzahlern „in den Markt gepumpt“, damit die Verluste der Aktionäre nicht zu gross werden. Zumindest in den USA ist es schon soweit, wie n-tv.de schreibt:

Die Notenbank hat 180 Mrd. Dollar zur Verfügung gestellt und die Kurse damit Steigen ermuntert.

Ist ja schön und gut. Aber wem ist damit wirklich geholfen?

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Überwachung überall

Gerade habe ich auf heise.de einen Artikel gefunden, der die Angst der US-Geheimdienste davor beschreibt, dass sich Terroristen in Online-Spielen ungestört unterhalten und Anschläge planen könnten. Dies sei möglich, weil sich sich erstens Tausende von Gesprächen gleichzeitig ereignen und zweitens ein „Spielerslang“ zur Codierung verwendet werden kann.

Wenn diese Angst besteht, dann muss man ja davon ausgehen, dass alle anderen Möglichkeiten der Kommunikation bereits effektiv überwacht sind. Ich denke da jetzt nur an telefonieren und Email. Heise kommt zu dem selben Schuss:

Mittlerweile wird es jedem klar sein, der kriminelle oder terroristische Aktivitäten über das Internet organisieren will, dass es immer schwerer wird, unbeobachtet zu kommunizieren.

Verkürzt dargestellt: „Mittlerweile wird es jedem klar sein, dass es immer schwerer wird, unbeobachtet zu kommunizieren.“ Werde ich der CIA gemeldet, wenn ich in Deutschland einen Telefonanschluss beantrage? Nein, nur die Terrorverdächtigen? Wie erkenne ich die? Ach ja, die organisieren sich in Gewerkschaften. Gerate ich ins Visier der Fahnder, wenn ich mich per Email zum DSA-Spielen verabrede? „Wir treffen uns dann und dort, um endlich den Drachen platt zu machen. Ich habe extra einen neuen Zauber gelernt und Alrik hat sich ein neues Schwert schmieden lassen!“

Will ich eigentlich noch bloggen?

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Die Scheinheiligkeit der Politik ist mal mehr, mal weniger offensichtlich. Derzeit viel diskutiert wird die Schwangerschaft der Tochter von Frau Palin. Mich zu diesem Punkt auslassen will ich hier aber gar nicht, das sollen andere tun. Was mir sauer aufstößt ist die Lösung des vermeintlichen Problems, das entsteht, wenn die eigene Tochter unverheiratet, ungewollt und minderjährig schwanger wird, man aber rigorose Enthaltsamkeit predigt. Es droht die Gefahr, daß der Wähler annimmt, man könne der eigenen Politik nicht mal in der eigenen Familie Gehör verschaffen. Der Ausweg aus diesem Dilemma: Der Kindsvater wird die werdende Mutter heiraten.

Und auf diese Stelle sollte man ebenfalls seine Aufmerksamkeit richten. Was ist jetzt noch mit der Freiheit des Individuums, der Freiheit zweier junger Menschen? In meinen Augen besteht die Große Gefahr, daß diese in dem Falle dem bloßen Wahlkampf geopfert wird. Zumindest will sueddeutsche.de am Ende eines Artikels über Sexualaufklärung in den USA im allgemeinen spezielle Aussagen des Freundes der Tochter von Frau Palin recherchiert haben:

Das MySpace-Profil des Kindsvaters Levi, das die Wahlkampfstrategen nach Bekanntwerden der Schwangerschaft kräftig überarbeiteten, offenbarte deutlich, dass sich der 17-Jährige eigentlich anderes im Leben erhoffte, als sich so früh zu binden. Dort war nicht nur der Satz „Ich will nicht heiraten“ zu lesen, sondern auch: „Ich will keine Kinder.“

Wenn dem so ist, dann werden fundamentale Werte des Selbstverständnisses der USA mit Füßen getreten. Und zwar von denen, die diese Werte unbedingt exportieren wollen, zum Beispiel in den mittleren Osten. Die Zwangsheirat in islamischen Kulturen wird außenpolitisch verteufelt, aber innenpolitisch offensichtlich als moralische Instanz benötigt.

Ich möchte noch anmerken, dass dieser Kommentar sich nicht mit der Frage auseinandersetzt, ob die Tochter von Frau Palin das Kind bekommen soll oder nicht, oder wie eine Schwangerschaft ion so jungen Jahren zu bewerten sei. Ich wünsche mir nur, dass die Entscheidung für das Leben im Sinne einer freien Entscheidung von Ihr selbst und nicht der Politik getroffen wurde.

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Heute habe ich einen interessanten Artikel auf sueddeutsche.de gelesen. Hier wird dargestellt, dass die Barmer auf Ihrer Internetseite Vordrucke zum Download angeboten hat, um Firmen die „Kündigung einer Schwangeren oder Mutter“ bzw. die „Kündigung eines Schwerbehinderten“ zu erleichtern. Und so richtig auf die Palme bringt mich dann die Stellungnahme der Barmer selbst:

Bei der Barmer Ersatzkasse kann man die Aufregung durchaus nachvollziehen: „Wir haben mit dem Angebot eine gute Absicht verfolgt“, sagte ein Sprecher.

Das klingt für mich eher nach: Bei der Barmer Ersatzkasse kann man die Aufregung durchaus nicht nachvollziehen, aber sei es drum. Welche gute Absicht sollte die Kasse damit verfolgen? Das ist mir absolut unklar. Die Versicherten sind Kunden, nicht die Arbeitgeber. Aus dem Blickwinkel des Kundenservice betrachtet müssten also eher Antwortschreiben für Arbeitnehmer für den Fall einer Kündigung im Angebot stehen, wenn man sich schon als Krankenkasse in Beratung in arbeitsrechtlichen Fragen versucht. Schade, dass sich bei Umsetzung der Gesundheitsreform die Kasse mit dieser Aktion wahrscheinlich nichtmal selbst ins Abseits stellt, da dadurch meiner Meinung nach der Wettbewerb vermindert wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mir bleibt hier wirklich die Spucke weg, weshalb ein Zitat von sueddeutsche.de den Beitrag beschließen soll.

Die Formulare hat die Barmer inzwischen entfernt. Doch dafür, das die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern weiterhin reibungslos läuft, sorgen die übrigen Angebote auf der Internetseite: Formulare zur „Einbehaltung der Vergütung“ oder Aufhebungsverträge stehen dort immer noch – für alle Unternehmen, die ihre Mitarbeiter schnell und sauber kündigen möchten.

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