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Archive for November 2008

Was ist Familie

In der heutigen Ausgabe der Sächsischen Zeitung findet sich eine dpa-Meldung, die an den Rand gequetscht wurde. Wieder eine „Nachricht“ auf dem Weg zum Überwachungsstaat. Mich allerdings bringt sie auf die Palme.

Berliner Kitas nehmen Eltern Fingerabdrücke ab

Berlin. Aus Sicherheitsgründen überlegen evangelische Kindertagesstätten in Berlin-Mitte, künftig die Fingerabdrücke der Eltern zu scannen. Das soll verhindern, dass Unbefugte die Kinder mitnehmen. […]

Da kann doch wirklich nur noch der Naivste glauben, dass hier Dinge zum Wohle der Kinder passieren. Handelt es sich um Kindertagesstätten, deren Personal mit den Eltern einen offenen Umgang pflegt und mit ihnen über die Kinder spricht? Oder handelt es sich um Kinderabgabestationen? Wenn denn schon nur die Eltern befugt sein sollen, und nicht auch beispielsweise die Großeltern, dann gibt es andere Wege die „unbefugte Mitnahme“ von Kindern zu verhindern. Hier soll wieder auf Teufel komm raus rationalisiert werden. Eine KiTa ist aber keine Fabrik, dort sollen Kinder nicht aufbewahrt, sondern umsorgt werden. Wenn letzteres geschieht, dann können die Eltern auch ohne Fingerabdruck Ihre Kinder mitnehmen. Dann kennen nämlich die Erzieher die Eltern persönlich.

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Geschichte wiederholt sich

Letztens fand ich folgendes Gedicht, von einem Kollegen im Büro appliziert:

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Man meint, zumindest wenn man wie ich von Literaturgeschichte keine Ahnung hat, es handelt sich um ein aktuelles Werk zur aktuellen Krise. Weit gefehlt. Das Vokabular ist in den letzten 80 Jahren einfach gleich geblieben. Es wurde von Kurt Tucholsky 1930 in „Die Weltbühne“ veröffentlicht.

Quelle

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Gerade eben habe ich 2 Artikel auf http://www.tagesschau.de gelesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. „Mehr Kredite für mehr Konsum“ ist ersterer betitelt. Der US-Finanzminister scheint die letzten Wochen verschlafen zu haben (Hervorhebung durch den Autor):

Wir prüfen die Einrichtungen eines Finanztopfes für sehr sichere Darlehen. Auf diese Weise können wir die Kosten der Kredite reduzieren und den Verbrauchern mehr Darlehen zur Verfügung stellen. (1)

Da gibt es also eine Finanzkrise, ausgelöst durch sorglosen Umgang mit Krediten. Na, dann bekämpfen wir doch die Krise mit Hilfe der Ursache. Vielleicht merkt es ja auch keiner, und der Plan von Henry Paulson ist, die Kreditforderungen an ausländische Banken zu verkaufen?

Und er scheint außerdem nicht informiert zu sein, wie es um die finanzielle Lage seiner Verbraucher bestellt ist. Dazu der zweite Beitrag:

Allein die Gesamtsumme der Kreditkartenschulden aller US-Bürger beträgt 937 Milliarden Dollar. (2)

Wenn man da jetzt noch die Schulden für Häuser und Autos hinzunimmt, dann merkt man, das selbst ein 700 Milliarden Dollar Rettungspaket ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Man sollte den Menschen vielmehr klar machen, dass ein Leben auf Pump nicht funktioniert. Aber solche Stimmen haben in Washington keine Lobby.

Quellen:

  1. Mehr Kredite für mehr Konsum, www. tagesschau.de
  2. Millionen US-Bürgern droht der Privatkonkurs, www.tagesschau.de

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Berlin verbietet Wärmepilze vor Kneipen“ berichtet die Sächsische Zeitung von heute. Bisher nur auf einige Stadtbezirke begrenzt, hat das hoffentlich Modellcharakter. Bisher gibt es solche Initiativen laut Artikel erst in Nürnberg und Stuttgart. In letzterer Stadt aber mit fadem Beigeschmack:

Stuttgart, einst Vorreiter, lockerte auf Druck der Restaurant- und Barbesitzer das im April 2007 verhängte Verbot bereits wieder: In den Wintermonaten dürfen die Strahler wieder aufgestellt werden.

Weil im Sommer im Biergarten ja auch so viel geheizt werden muss. Ich frage mich ohnehin, was die Menschen im Winter an einem Essen im Freien so toll finden. Ein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt kann so schön sein, da stören Heizpilze doch nur. Winter ist nunmal kalt, heutzutage ohnehin nur noch kühl.

Dumm nur, dass es so viele Ausnahmen von dieser Regelung geben wird:

Das Verbot gilt allerdings nur für öffentliche Flächen. Eigentümer von Kneipen auf privaten Grundstücken können weiter die Luft heizen. Und auch im zugigen Eingangsbereich des Auswärtigen Amts in Mitte dürfen die Heizpilze wohl weiter glühen. „Das hier ist keine öffentliche Straßenfläche“, begründet eine Mitarbeiterin.

Da wissen die Besucher des auswärtigen Amtes wenigstens gleich, wieviel von den angepeilten Umweltschutzzielen der Regierung zu halten ist. Aber auch das Gesetz selbst ist nur halb ausgegoren:

Manche Kneipen haben bereits Alternativen, allerdings auch nicht ohne Emissionen: elektrische Heiz- oder Infrarotstrahler.

Dann doch lieber das Gas direkt verheizen, das ist allemal Umweltfreundlicher als der Umweg über die Elektroenergie, wohlmöglich noch aus Braunkohleverstromung.

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