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Archive for April 2009

Um es vorwegzuschicken, ich finde ein solches Anbauverbot gut. Trotzdem glaube ich jemand zu sein, der sich die Argumente für und wider eine Sache zu Gemüte führt. Solche gab es in der heutigen Sächsischen Zeitung. In den Ring steigen der sächsische Agrarminister Frank Kupfer und Stephanie Töwe von Greenpeace. Wer in welcher Ecke steht, sollte klar sein.

Der Herr Minister hält die bestehenden Regeln für den Anbau von genveränderten Pflanzen für ausreichend:

So gilt ein Mindestabstand zu konventionellem Landbau, der dafür sorgt, dass sich Genmais und normale Sorten nicht unkontrolliert kreuzen.

Diese Aussage wirft 2 Fragen auf. Zum einen: Weiß die bestäubende Biene um die Paragraphen? Und die andere: Wenn genveränderte Pflanzen unproblematisch sind, dann sollte auch eine „unkontrollierte Kreuzung“ kein Problem sein, oder? Wenn immer mehr manipuliertes Saatgut verwendet würde, würde sich eine solche Kreuzung ohnehin kaum verhindern lassen.

Ein Argument, dass sich so erst einmal nicht leichtfertig von der Hand weisen lässt, ist die Resistenz der Pflanze gegen Krankheiten und Schädlinge. Dadurch gibt es Ersparnisse an Pflanzenschutzmitteln, was natürlich auch der Umwelt zugute kommt. Vielleicht sollte man aber über eine umweltfreundliche Veränderung dieser chemischen Keulen nachdenken, anstatt den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.

Der Schluss der Argumentation ist dann eines Ministers nicht würdig. Zuerst führt er ins Feld, dass doch Gentechnik schon vielfach verwendet wird und deshalb kaum schlecht sein kann. Aber der Gipfel:

Für Gentechnik gilt dasselbe wie vor 200 Jahren für Eisenbahn oder später für Autos. […] Am Anfang schürten ihre Gegner Angst und Hysterie.

Zuerst einmal steht ja gar nicht fest, ob die Menschheit mit Eisenbahn und Autos glücklicher ist, als ohne. Wer will schon einen Vergleich ziehen? Wieviel Wohlstand sind die Verkehrstoten jedes Jahr wert? Aber meiner Meinung nach steht fest, dass diese technischen Erfindungen die Natur kaum beeinflussen (mal vom CO2-Ausstoß und Umweltzerstörung durch Straßen abgesehen), Gentechnik aber in Mechanismen eingreift, die die Menschheit meiner Meinung nach noch nicht verstanden hat, die aufgrund Ihrer Komplexität wohlmöglich sich dem Verständnis sogar entziehen. Es werden also Äpfel mit Birnen verglichen, nur um Gentechnikgegner als dümmlich hinzustellen.

Und genau diese Manipulation des Ungewissen ist die Basis für die Argumentation von Frau Töwe. Die Auswirkungen beschreibt Sie sehr drastisch. In Nordamerika und Argentinien sei der Anbau schon großflächig und führe zu

höherer Pestizidverbrauch, Entstehung von Superunkräutern, Schädigung von Nützlingen, Verdrängung traditioneller Pflanzenarten

Leider alles sehr plakativ, was aber am begrenzten Umfang des Artikels liegen mag. Trotzdem schafft es kein Vertrauen zu den Argumenten. Zum Ende hin auch bei Ihr eine Offenbarung (Hervorhebung durch den Autor):

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich der Genmais negativ auf andere Tiere wie Mäuse, Marienkäfer, Schmetterlinge, Honigbienen aber auch auf Regenwürmer auswirken kann.

Wissenschaftliche Untersuchungen, die nichts aussagen, werden hier ins Feld geführt. Man kann nur hoffen, dass es bald belastbare gibt, damit diese Diskussion nicht mehr religiös, sondern rational geführt werden kann. Bis dahin sollte man aber den „Genmais“ im Giftschrank lassen.

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Alljährlich zu Ostern zeigt der ADAC mit dem Finger auf die bösen Mineralölkonzerne. Die Benzinpreise steigen, immer zu Ostern. Das belegt sogar eine ADAC-Statistik:

Nach dieser müssen Autofahrer gerade vor Reisewochenenden mehr bezahlen. (1)

Da sage ich, das klingt einigermaßen logisch, wenn ich mir den Unterricht über unser Wirtschaftssystem in Erinnerung rufe.

Schuld an der Preiserhöhung ist laut ADAC-Pressesprecher Andreas Hölzel nicht nur der gestiegene Ölpreis, sondern auch das Profitdenken der Mineralölkonzerne. „Die halbe Nation ist während der Feiertage auf den Beinen. Da wollen die Ölmultis natürlich mitverdienen.“ Gemessen am Rohölpreis seien die Spritpreise in der Bundesrepublik deutlich überhöht. (1)

Die bösen Ölkonzerne. Ich warte wirklich auf die Grundgesetzänderung, in der jedem Bürger das Recht auf „(kosten)freie Fahrt mit dem eigenen Automobil mit Antrieb auf Verbrennungskraftmaschinenbasis“ eingeräumt wird. Bis dahin aber, lieber ADAC, werden jedes Jahr zu Ostern die Benzinpreise steigen. Und es ist völlig egal, wie hoch sie sind. Solange der Deutsche Michel bereit ist, zu diesen Preisen sein Auto zu bewegen, ist wirklich alles in Ordung und „der Markt“ funktioniert. Es gibt nunmal weder ein Grundrecht auf ein Auto, noch eines auf billiges Benzin.

Quelle: Sächsische Zeitung, 09.04.09

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