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Posts Tagged ‘Genveränderte Pflanzen’

Um es vorwegzuschicken, ich finde ein solches Anbauverbot gut. Trotzdem glaube ich jemand zu sein, der sich die Argumente für und wider eine Sache zu Gemüte führt. Solche gab es in der heutigen Sächsischen Zeitung. In den Ring steigen der sächsische Agrarminister Frank Kupfer und Stephanie Töwe von Greenpeace. Wer in welcher Ecke steht, sollte klar sein.

Der Herr Minister hält die bestehenden Regeln für den Anbau von genveränderten Pflanzen für ausreichend:

So gilt ein Mindestabstand zu konventionellem Landbau, der dafür sorgt, dass sich Genmais und normale Sorten nicht unkontrolliert kreuzen.

Diese Aussage wirft 2 Fragen auf. Zum einen: Weiß die bestäubende Biene um die Paragraphen? Und die andere: Wenn genveränderte Pflanzen unproblematisch sind, dann sollte auch eine „unkontrollierte Kreuzung“ kein Problem sein, oder? Wenn immer mehr manipuliertes Saatgut verwendet würde, würde sich eine solche Kreuzung ohnehin kaum verhindern lassen.

Ein Argument, dass sich so erst einmal nicht leichtfertig von der Hand weisen lässt, ist die Resistenz der Pflanze gegen Krankheiten und Schädlinge. Dadurch gibt es Ersparnisse an Pflanzenschutzmitteln, was natürlich auch der Umwelt zugute kommt. Vielleicht sollte man aber über eine umweltfreundliche Veränderung dieser chemischen Keulen nachdenken, anstatt den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.

Der Schluss der Argumentation ist dann eines Ministers nicht würdig. Zuerst führt er ins Feld, dass doch Gentechnik schon vielfach verwendet wird und deshalb kaum schlecht sein kann. Aber der Gipfel:

Für Gentechnik gilt dasselbe wie vor 200 Jahren für Eisenbahn oder später für Autos. […] Am Anfang schürten ihre Gegner Angst und Hysterie.

Zuerst einmal steht ja gar nicht fest, ob die Menschheit mit Eisenbahn und Autos glücklicher ist, als ohne. Wer will schon einen Vergleich ziehen? Wieviel Wohlstand sind die Verkehrstoten jedes Jahr wert? Aber meiner Meinung nach steht fest, dass diese technischen Erfindungen die Natur kaum beeinflussen (mal vom CO2-Ausstoß und Umweltzerstörung durch Straßen abgesehen), Gentechnik aber in Mechanismen eingreift, die die Menschheit meiner Meinung nach noch nicht verstanden hat, die aufgrund Ihrer Komplexität wohlmöglich sich dem Verständnis sogar entziehen. Es werden also Äpfel mit Birnen verglichen, nur um Gentechnikgegner als dümmlich hinzustellen.

Und genau diese Manipulation des Ungewissen ist die Basis für die Argumentation von Frau Töwe. Die Auswirkungen beschreibt Sie sehr drastisch. In Nordamerika und Argentinien sei der Anbau schon großflächig und führe zu

höherer Pestizidverbrauch, Entstehung von Superunkräutern, Schädigung von Nützlingen, Verdrängung traditioneller Pflanzenarten

Leider alles sehr plakativ, was aber am begrenzten Umfang des Artikels liegen mag. Trotzdem schafft es kein Vertrauen zu den Argumenten. Zum Ende hin auch bei Ihr eine Offenbarung (Hervorhebung durch den Autor):

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich der Genmais negativ auf andere Tiere wie Mäuse, Marienkäfer, Schmetterlinge, Honigbienen aber auch auf Regenwürmer auswirken kann.

Wissenschaftliche Untersuchungen, die nichts aussagen, werden hier ins Feld geführt. Man kann nur hoffen, dass es bald belastbare gibt, damit diese Diskussion nicht mehr religiös, sondern rational geführt werden kann. Bis dahin sollte man aber den „Genmais“ im Giftschrank lassen.

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Im Landkreis Riesa-Großenhain wurden genveränderte Maispflanzen zerstört, u.a. ein ganzes Feld. Ich bin bestimmt nicht für Genmanipulationen welcher Art auch immer, aber Sachbeschädigung, die es ja nunmal ist, heiße ich auch nicht gut.Die Sächsische Zeitung hat dazu heute einen Artikel geschrieben, „Noch keine Spur von den Zerstörern der Genmais-Felder bei Großenhain“, leider nicht frei im Online-Angebot.

Was ich an dem Artikel aber „witzig“ fand, Gerhard Förster, Vorstandsmitglied des Sächsischen Bauernverbandes, versucht eine Lanze für die Experimente zu brechen:

Insgesamt stünden die Landwirte neuen Forschungen offen gegenüber. „Entscheiden muss letztendlich der Verbraucher.“

Na ok. Aber wenn die Bauern die Verbraucher sind:

Schon heute gebe es kaum noch genfreies Soja auf dem Markt. „Das bringt Probleme bei der Versorgung der Tierbestände“, sagt Förster. „Hier ist die EU-Kommission in der Pflicht.“

Ja wer denn nun, der Verbraucher, die EU-Kommission oder der Liebe Gott? Und was um alles in der Welt ist genfreies Soja? Ich hoffe mal, der Sächsische Landesbauernverband weiß, wovon er redet. Oder die SZ hat hier ein wenig abgekürzt?

Dass die Landwirte genveränderten Pflanzen offen gegenüberstünden wurde in der Sächsischen Zeitung schon einmal ganz anders dargestellt. Am 06.03.08 erschien ein entsprechender Artikel unter dem Titel „Der Kronzeuge“. Leider ist dieser nicht im frei zugänglichen Online-Angebot.

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