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Posts Tagged ‘Verbraucherschutz’

Sachsen will Ladenschluss freigeben“ lautet eine Schlagzeile heute bei sz-online. Die Ladenbesitzer sollen selbst entscheiden dürfen, wann sie ihr Geschäft von Montag bis Samstag öffnen. Damit kann ich noch mitgehen, auch wenn es mir schwerfällt. Die Nacht ist zum Schlafen und nicht zum Konsumieren da. Schon jetzt sind Arbeiter und Angestellte oft in den Nachtstunden beruflich tätig. Nun soll auch noch der Rest der Bevölkerung animiert werden, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen.

Was mir aber wirklich die Zornesröte ins Gesicht treibt, ist die Tatsache, dass nicht einmal Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes von Politikern ohne zu Murren akzeptiert werden. Juristisch vielleicht nicht zu bemängeln, ist es ein falsches Signal an die Bürger. Die, zumindest aus meinem Blickwinkel, höchte Verfassungsinstanz wird ohne Nachzudenken in Frage gestellt:

Christdemokrat Flath will die bisherige Höchstzahl von vier verkaufsoffenen Sonntagen im Jahr beibehalten. Und die dürfen seiner Meinung nach auch an allen vier Sonntagen im Advent liegen. Auch Morlok [Anm. des Autors: Wirtschaftsminister Sachsens, FDP] bekräftigte gestern, dass Sachsen im kommenden Jahr die Möglichkeit „absichern“ wolle, weiter an vier Adventssonntagen öffnen zu können. Zudem hält der Minister eine Erhöhung der verkaufsoffenen Sonntage in jeder Kommune für wünschenswert.

„Absichern“ heißt in diesem Falle wohl mit irgendwelchen fadenscheinigen Anträgen zu versuchen, diese Entscheidung der Verfassungsrichter unwirksam werden zu lassen.

Ich könnte es nicht besser formulieren:

Bloße wirtschaftliche Interessen der Geschäftsinhaber und das „Shoppinginteresse“ der Kunden genügten grundsätzlich nicht, um die Ladenöffnung an Sonn- und Feiertagen ausnahmsweise zu erlauben.

Die Verfassungsväter haben nicht ohne Grund die Sonntagsruhe als Grundsatz verankert. Gerade im Advent sollten die Menschen Gelegenheit haben, einmal zur Ruhe zu kommen. Dazu gehört meiner Meinung nach gerade nicht der „entspannte Einkaufsbummel“. Und notfalls muss man sie dazu „zwingen“, indem an Sonntagen die Geschäfte geschlossen bleiben.

Stattdesswen wird aus wirtschaftlichen Interessen, die ich nicht erkennen kann, die Verfassung torpediert.

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Um es vorwegzuschicken, ich finde ein solches Anbauverbot gut. Trotzdem glaube ich jemand zu sein, der sich die Argumente für und wider eine Sache zu Gemüte führt. Solche gab es in der heutigen Sächsischen Zeitung. In den Ring steigen der sächsische Agrarminister Frank Kupfer und Stephanie Töwe von Greenpeace. Wer in welcher Ecke steht, sollte klar sein.

Der Herr Minister hält die bestehenden Regeln für den Anbau von genveränderten Pflanzen für ausreichend:

So gilt ein Mindestabstand zu konventionellem Landbau, der dafür sorgt, dass sich Genmais und normale Sorten nicht unkontrolliert kreuzen.

Diese Aussage wirft 2 Fragen auf. Zum einen: Weiß die bestäubende Biene um die Paragraphen? Und die andere: Wenn genveränderte Pflanzen unproblematisch sind, dann sollte auch eine „unkontrollierte Kreuzung“ kein Problem sein, oder? Wenn immer mehr manipuliertes Saatgut verwendet würde, würde sich eine solche Kreuzung ohnehin kaum verhindern lassen.

Ein Argument, dass sich so erst einmal nicht leichtfertig von der Hand weisen lässt, ist die Resistenz der Pflanze gegen Krankheiten und Schädlinge. Dadurch gibt es Ersparnisse an Pflanzenschutzmitteln, was natürlich auch der Umwelt zugute kommt. Vielleicht sollte man aber über eine umweltfreundliche Veränderung dieser chemischen Keulen nachdenken, anstatt den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.

Der Schluss der Argumentation ist dann eines Ministers nicht würdig. Zuerst führt er ins Feld, dass doch Gentechnik schon vielfach verwendet wird und deshalb kaum schlecht sein kann. Aber der Gipfel:

Für Gentechnik gilt dasselbe wie vor 200 Jahren für Eisenbahn oder später für Autos. […] Am Anfang schürten ihre Gegner Angst und Hysterie.

Zuerst einmal steht ja gar nicht fest, ob die Menschheit mit Eisenbahn und Autos glücklicher ist, als ohne. Wer will schon einen Vergleich ziehen? Wieviel Wohlstand sind die Verkehrstoten jedes Jahr wert? Aber meiner Meinung nach steht fest, dass diese technischen Erfindungen die Natur kaum beeinflussen (mal vom CO2-Ausstoß und Umweltzerstörung durch Straßen abgesehen), Gentechnik aber in Mechanismen eingreift, die die Menschheit meiner Meinung nach noch nicht verstanden hat, die aufgrund Ihrer Komplexität wohlmöglich sich dem Verständnis sogar entziehen. Es werden also Äpfel mit Birnen verglichen, nur um Gentechnikgegner als dümmlich hinzustellen.

Und genau diese Manipulation des Ungewissen ist die Basis für die Argumentation von Frau Töwe. Die Auswirkungen beschreibt Sie sehr drastisch. In Nordamerika und Argentinien sei der Anbau schon großflächig und führe zu

höherer Pestizidverbrauch, Entstehung von Superunkräutern, Schädigung von Nützlingen, Verdrängung traditioneller Pflanzenarten

Leider alles sehr plakativ, was aber am begrenzten Umfang des Artikels liegen mag. Trotzdem schafft es kein Vertrauen zu den Argumenten. Zum Ende hin auch bei Ihr eine Offenbarung (Hervorhebung durch den Autor):

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich der Genmais negativ auf andere Tiere wie Mäuse, Marienkäfer, Schmetterlinge, Honigbienen aber auch auf Regenwürmer auswirken kann.

Wissenschaftliche Untersuchungen, die nichts aussagen, werden hier ins Feld geführt. Man kann nur hoffen, dass es bald belastbare gibt, damit diese Diskussion nicht mehr religiös, sondern rational geführt werden kann. Bis dahin sollte man aber den „Genmais“ im Giftschrank lassen.

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Heute kam mir ein Artikel bei heise.de unter. Es geht um Fehler in der Software eines neuen Blackberry.

Nach Ansicht von Jim Balsillie, Ko-Chef des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM), müssen sich die Kunden bei modernen Smartphones an unreife Software gewöhnen. Sie sei bei der Produktion von komplexen Mobiltelefonen Teil der „neuen Realität“

Also da frage ich mich doch. Unfertige Software für ein Heidengeld, und das bitteschön soll die Normalität sein. Es ist schon erstaunlich, welche Macht der Konsument nicht mehr zu haben scheint. Ist es der Einfluss der Werbung, der uns glauben macht, nur das neueste sei das beste? Ist es primär eine Frage der Refinanzierung einer Entwicklung? Letztere kann nicht mehr ausreifen, weil schon innerhalb des Entwicklungszyklus Umsätze getätigt werden müssen? Und zuguterletzt kann man sich auch noch die Frage stellen, wie komplex und kompliziert ein „Helfer im Alltag“, so will ich Handys jeder Art mal bezeichnen, wirklich sein muss.

Auf jeden Fall ist das obige Statement nicht nur ein Armutszeugnis für RIM, sondern für die Hightech- oder Softwarebranche insgesamt.

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Glühlampen sollen in der EU verboten werden. Ob das gut oder schlecht ist, weiß ich nicht zu beurteilen. Einige sagen es wäre gut für die Umwelt (zwecks senkung des Energieverbrauchs), andere sagen es ist schlecht für die Menschen (wegen der Zusammensetzung des Lichtes der Energiesparlampen).

Und weil es hier zwei unversöhnliche Standpunkte gibt, versuchen Politiker / Lobbyisten den Wähler von seinem / dem Standpunkt der Kundschaft zu überzeugen. Dass dies mittlerweile recht einfach sein muss, zeigt Silvana Koch-Mehrin in ihrem Beitrag in der Sächsischen Zeitung vom 15.01.09.

Aberglaube ist ein Phänomen des vorwissenschaftlichen Zeitalters. Wer glaubt hierzulande noch an Hexen oder den bösen Blick? Heute glauben wir doch nur an das, was bewiesen werden kann, also an Horoskope, Windmühlen als Ersatz für Atomenergie und die Verbesserung des Erdklimas durch Glühbirnenverbot.

Mit dieser Polemik spricht Frau Koch-Mehrin also die „mündigen Bürger“ an, für die sie angeblich eine Lanze bricht. Damit passt sie zwar ins Schema der FDP, der sie angehört, aber wählbar ist sie nicht mehr.

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Im Landkreis Riesa-Großenhain wurden genveränderte Maispflanzen zerstört, u.a. ein ganzes Feld. Ich bin bestimmt nicht für Genmanipulationen welcher Art auch immer, aber Sachbeschädigung, die es ja nunmal ist, heiße ich auch nicht gut.Die Sächsische Zeitung hat dazu heute einen Artikel geschrieben, „Noch keine Spur von den Zerstörern der Genmais-Felder bei Großenhain“, leider nicht frei im Online-Angebot.

Was ich an dem Artikel aber „witzig“ fand, Gerhard Förster, Vorstandsmitglied des Sächsischen Bauernverbandes, versucht eine Lanze für die Experimente zu brechen:

Insgesamt stünden die Landwirte neuen Forschungen offen gegenüber. „Entscheiden muss letztendlich der Verbraucher.“

Na ok. Aber wenn die Bauern die Verbraucher sind:

Schon heute gebe es kaum noch genfreies Soja auf dem Markt. „Das bringt Probleme bei der Versorgung der Tierbestände“, sagt Förster. „Hier ist die EU-Kommission in der Pflicht.“

Ja wer denn nun, der Verbraucher, die EU-Kommission oder der Liebe Gott? Und was um alles in der Welt ist genfreies Soja? Ich hoffe mal, der Sächsische Landesbauernverband weiß, wovon er redet. Oder die SZ hat hier ein wenig abgekürzt?

Dass die Landwirte genveränderten Pflanzen offen gegenüberstünden wurde in der Sächsischen Zeitung schon einmal ganz anders dargestellt. Am 06.03.08 erschien ein entsprechender Artikel unter dem Titel „Der Kronzeuge“. Leider ist dieser nicht im frei zugänglichen Online-Angebot.

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